Poesie

In memoriam 12.06.1999

Seit einem Jahr
fürchte ich mich
vor diesem Moment.

Dem Moment
in dem ich
zu allem fähig bin
und gleichzeitig
ohnmächtiger denn je.

Dem Moment
in dem ich
diese gnadenlose Ungerechtigkeit beklagend
die Welt nicht mehr verstehe.

Dem Moment
der in seiner ganzen Grausamkeit
meine Welt
in zwei Hälften spaltet.

In der einen
versuche ich
diese widerliche Tatsache
hinzunehmen
und hämmere mir
mittels Euphemismen wie "Erlösung" und "natürlich"
die derbe Realität
in den Kopf
in die Seele
in mein Herz.

In der anderen jedoch
PASST dieses Faktum auf keinen Hammer.

Immer wieder
rufe ich mir krampfhaft und pathetisch
das Lachen
die Stimme
das Gesicht
ins Gedächtnis.

Damit sind namenlose Schmerzen verbunden.

Natürlich wäre vergessen leichter.

Sein Lachen
Seine Stimme

Bevor ich mich nur noch daran erinnere
wie an einen genialen Film
halte ich daran fest.

Beides zu vereinbaren
wird nicht leicht:

Ihn zu akzeptieren
den schrecklichen Moment
den Tod
seinen Tod
und gleichzeitig
zu kämpfen
gegen das Vergessen.

Fienchen

geschrieben am 23.04.2000

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